Ich kann mich noch erinnern wie ich mit einigen guten Freunden in den 90ern auf der Cebit stand und damals die Sony Mavica ausprobieren durfte. Eine Digitalkamera welche, man mag sich das heute mal vorstellen, bis zu 20 Bilder auf eine darin befindliche 3.5“ Diskette speichern konnte.

1.44 MB / 20 = ~74kb pro Bild – Awesome!

Wie gesagt, man mag sich das heute mal vorstellen. Gerade habe ich hier das neue LG G4 in der Hand und dies kann RAW Bilder speichern die auch schon mal größer als 20MB werden können. OK, Raw am Handy – Wayne. Aber selbst die normalen Bilder als JPG liegen inzwischen bei 5-6 MB.

In der Vergangenheit habe ich viel ausprobiert um Herr über meine Bilder zu werden. Von der Ordnerstruktur auf dem lokalen NAS über verschiedene Anbieter wie Dropbox, Apple oder Amazon. In erster Linie geht es mit bei Bildern die ich mit dem Handy mache um Schnappschüsse und Alltagssituationen. Das Problem ist das man in der Regel mehr als nur ein Gerät verwendet; Da ist das Smartphone, vielleicht ein Tablet und dann noch der Desktop. Dann kommt noch die Frau dazu welche ebenfalls über Phone, Tablet und einen Laptop verfügt. Chaos ist vorprogrammiert.
 

Die Alternativen

In Vergangenheit probierte ich den Apple Photo Stream, aber da wir hier zuhause eher im Android + Windows Universum zuhause sind war das eher schmerzhaft als praktikabel.

Danach war Dropbox und dessen Dienst Carousell dran, leider bin ich mit den Mengen der Bilder die sich bei mir über die Jahre angesammelt haben da schnell an einem Punkt in dem man mit dem frei verfügbarem Speicher nicht mehr auskommt. Auch das Sharing war nicht ganz so einfach gelöst wie ich es mir gewünscht hätte.

Letztlich nutzten wir nun für längere Zeit Amazons Cloud Photos, hier hat man als Prime Mitglied den Vorteil das der Speicher nicht extra kostet und das Sharing bei uns einfach gelöst wurde in dem wir einen Account teilten. Allerdings ist die Amazon App eigentlich der größte Mist. Es wurde hier viel verschlimmbessert, das Webinterface ist langsam und die Benutzerführung trieb mich regelmäßig in den Wahnsinn.
 
Neues Google-Photos Logo

Google Photos 2015

Letzten Dienstag wurde dann auf der Google I/O 2015 das neue Google Photos vorgestellt und noch am selben Tag war es im Play Store verfügbar. Man löste die bisher eng mit Google+ verzahnte Photo App aus dem „sozialem Netzwerk“ aus und stellte sie im Alleingang ins Rampenlicht.

Nicht nur das man die App auf Android und iPhone gleich zur Verfügung stellt, man gibt den Nutzern auch unbegrenzt Speicherplatz für Bilder bis 16 Megapixel. In der App selbst hat man zudem die Möglichkeit exakt vorzugeben ob und welche Ordner hochgeladen werden sollen. 
Google Fotos 2015 Backup Einstellungen
Ich habe das neue Google Photos nun für etwa eine Woche, auf mehreren Geräten, testen können und finde es wirklich gelungen. Allerdings muss man dabei sagen dass es ganz klar auch einige Schwächen hat. Verglichen zur Konkurrenz kann ich damit aber aktuell ganz gut leben.
 
Google Photos - Einstellungen
Google Photos ist kein „Poste alle deine Bilder automatisch Online für alle sichtbar“ Service wie Instagram oder die Facebook Galerien. Wer die Bilder nicht teilen möchte muss dies auch nicht, per Default werden keine Bilder mit anderen geteilt. Dies überlässt man dem Nutzer. Der Vorteil ist das beim Teilen von Bildern aus der Cloud vom Smartphone selbst kein Upload mehr gestartet werden muss. Das Bild wird einfach online mit einem eindeutigen Namen „Kopiert/Verknüpft“ und kann danach an Dienste wie Twitter/Facebook/Email/Whatever weitergegeben werden, wenn man möchte.

Die für mich entscheidende Teil-Funktion ist jedoch nicht das direkte senden von MB’s an Bildern sondern das teilen per Link. Ich kann flexibel mehrere Bilder oder ein ganzes Album auswählen und mir einen einzigartigen Link generieren lassen. Gebe ich diesen an jemanden weiter kann er die geteilten Bilder in einer Webansicht betrachten. Verfügt die Person ebenfalls über einen Google Photos Account so kann er/sie die Bilder mit einem Klick zur eigenen Library hinzufügen ohne dass auch nur ein Bild neu übertragen werden muss. Diese Funktion nutze ich regelmäßig mit meiner Frau um geschossene Bilder auszutauschen.

Hier mal ein Beispiel für so einfach geteilte Bilder: https://goo.gl/photos/WYgeUUTpeNi1c9nN7
 

Suche: Personen, Orte und Dinge

Bei mir liegen dort eben mal 15.000 Bilder mit insgesamt fast 30GB hier etwas zu finden ist schwierig. Und ich bin jemand der Bilder eigentlich relativ zeitnahe aussortiert, also Duplikate oder schlechte Bilder löscht. Ein interessanter Punkt von Google Photos ist das was Google gut kann – Suchen. Klickt man auf das Suchen Icon werden die Bilder in mehreren Oberbegriffen eingeteilt und gruppiert. Ähnliche Gesichter, Dinge oder Orte können so einfacher gefunden werden. Aber auch die Suche an sich ist erkennt bereits einiges an Objekte oder Motiven. Gebe ich z.B. „Sonnenuntergang“ ein werden mir mehr oder minder passende Bilder angezeigt.
Google Photos Suche nach Objekten
Die „People“ Sektion ist aktuell noch nicht für alle Anwender freigeschaltet. Die Funktion gruppiert Personen nach Gesichtern, funktioniert aber nur so so.
Leider ist bei diesen Suchgruppen auch einer meiner Kritikpunkte, denn hier lässt sich nicht wirklich beeinflussen welches Bild in welche Gruppe hinzugefügt wird. Falsche Zuordnungen kann man zwar löschen, aber nicht korrigieren.

All das zusammengenommen erlaubt auch Kombinationen in der Suche. Beispiel ich such ein Bild mit einem Wald im Schnee. „Schnee Wald“ zeigt mir all diese erkannten Bilder an. Schneller geht es kaum, man kann nun die Suche noch um Jahreszahlen oder Orte ergänzen.
 

Bildbearbeitung

Etwas abgespeckt wurde die Funktion der Bildbearbeitung. Hier beschränkt sich das neue Google Fotos auf das wesentliche. Man kann Bilder beschneiden, drehen, Collagen erstellen und etwas mit Filtern / Kontrastwerten rumspielen. Wer jedoch einen vollwertigen Online Editor erwartet wird schnell enttäuscht. Für das wichtigste reicht es aber alle male. Wer Google Fotos als Lightroom Ersatz betrachtet ist hier eh falsch. Es richtet sich klar an Private Anwender und deren 0815 Bilder. Etwas schade finde ich das man wichtige EXIF Daten wie Bilddatum nicht korrigieren kann. Dies sollte man also tun bevor man die Bilder zum Upload freigibt.
 

Meinung

Google-Photos wird meine herkömmliche Backups auf dem NAS nicht ersetzen, denn auch wenn bis 16M Pixel „frei“ sind werden die JPGs komprimiert und gerade für Bilder welche man nicht mit dem Handy sondern vielleicht mit einer DSLR geschossen hat, möchte man die Originale nicht verlieren. Klar könnte man nun auch diese „unangetastet“ in die Google-Cloud packen, denn gerade bei gDrive ist der Speicher nicht mehr wirklich teuer. Aber ich bin da immer noch etwas „Old-School“ und ein zusätzliches lokales Backup ist mir einfach lieber.

Die Entwicklung im Smartphone Bereich geht zumindest weiter und auf lange Sicht werden es nicht weniger Bilder werden die anfallen. Google Photos ist da ein Schritt in die richtige Richtung denn es nimmt mir Arbeit ab und erleichtert mir den Umgang mit den zahlreich vorhandenen Bildern enorm. Und genau das sollte eine App / Dienst machen.

Hier zu Lande ist man leider noch darauf angewiesen solche Apps nur per WiFi arbeiten zu lassen, denn trotz LTE sind die Datentarife meist vom verfügbaren Traffic zu schwach um Bildersammlungen ständig sofort Online zu stellen. Ich verwende einen 1G LTE Tarif und der verfügbare Speicher am Ende des Monats wird immer häufiger knapp. Kam ich vor 1-2 Jahre noch mit 500MB locker über die Runden sind es nun oft 800 – 900 MB im Monat, steht eine Messe vor der Tür bei der man längere Zeit außer Haus ist wird das Gigabyte schon mal überschritten. Erst neulich sah man an einer Aufstellung der Weltweiten Inkl. Datenvolumen das Deutschland wiedermal auf den hinteren Plätzen verweilt. Ein Blick auf die hierzulande verfügbaren Smartphone Tarife macht mir deshalb regelmäßig Kopfschmerzen. Für 2GB oder 3GB wird man regelrecht arm. Aber das ist ein anderes Thema und hat mit Google Photos wenig zu tun, das Gemecker dazu kann ich mir aber nie sparen.

Alles in allem vereint Google mit dem neuen Google Photos seine Expertisen in Bilderkennung, selbstlernender Software und Cloud Speicher zu einer guten Anwendung. Viele trauern dem alten Picasa (welches übrigens immer noch verfügbar ist) hinterher. Ich persönlich nicht, es geht klar um Handy-Fotos und nicht darum Lightroom zu ersetzen. Das Profi / Semi-Profi Photo Segment und „Handy Fotos“ sind zwei klar getrennte Bereiche, akzeptiert man das Google Photos nur einen davon bedienen möchte so kann man damit sehr glücklich werden. Als Profi Online-Portfolie Ersatz ist man hier jedoch anderswo besser aufgehoben. Ich für meinen Teil bin froh endlich eine Lösung zu haben die mir nicht irgendwelche Sozialen Netze oder Auto-Sharing Funktionen aufzwingt, dennoch aber die Möglichkeit einfachen teilen im Bedarfsfall bietet.

Weitere Informationen zu Details findet man auf der offiziellen Google-Photos Seite sowie etwas mehr ins Detail auf der Google-Photos Hilfeseite.
 

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✉ Marco Götze//

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